
Wenn das Leben kein Märchen ist...
Klappentext:
„Der König ist tot – es lebe der König!“
Schmerzhaft zuckt dieser historische Ruf durch das Bewusstsein der Thronerbin des kleinen europäischen Königreiches Sasson, als sie erfährt, dass ihre Eltern bei einem Terroranschlag ums Leben gekommen sind und es nun an ihr ist, eine ganze Nation aus dem Chaos von Notstandsgesetzen, zerbombten Häusern, Korruption und Vetternwirtschaft herauszuführen. Doch mit unermüdlichem Fleiß, Aufopferungsbereitschaft und viel Mut stellt sie sich gemeinsam mit ihrem frisch zusammengetrommelten Team von Beratern, Bodyguards und einer kleinen Hand voll Freunden der Aufgabe, Sasson wieder auf sichere Füße zu stellen. Der Tradition ihres Landes folgend verpflichtet sie sich mit Leib und Seele, für das Wohl ihres Staates zu kämpfen, mit all ihrer Kraft und jedem Mittel, das ihr zur Verfügung steht, für ihr Land zu leben und zu sterben. Und zu sterben wird von ihr bald schneller verlangt, als es ihr recht ist.
Denn Thronerbin im 21. Jahrhundert zu sein bedeutet nicht, auf Bällen zu tanzen, sondern reale Probleme zu lösen in einer manchmal viel zu harten Welt.
Leseprobe 1
Auf einen Wink von Christobald wurde das große Schmiedeeisentor geöffnet, das Gespann zog an und trat auf die Straße hinaus. Die Pferde wurden rechts und links geführt, ihre Begleiter achteten darauf, dass sie so langsam liefen, dass die Menschen hinter den Särgen in gemäßigtem Schritt folgen konnten. Constance hatte den Eindruck, als würde sich alles um sie herum in Zeitlupe bewegen.
„Hoheit, bitte“, flüsterte René ihr ins Ohr und forderte sie damit auf, endlich loszugehen. Der Abstand zum Wagen wurde immer größer.
Dann endlich hatte Constance die Kraft gefunden, den ersten Schritt zu machen und fortan funktionierte ihr Körper mechanisch. Den Blick starr auf den wippenden Saum der Flagge gerichtet, die vom Sarg ihres Vaters herabhing, setzte sie einen Fuß vor den anderen, ohne ihre Umgebung wahrzunehmen oder auch nur bemerken zu wollen.
Sie brauchte sich nicht umzuschauen, um zu sehen, was hinter ihr geschah. In gebührendem Abstand von vielleicht 2 Metern folgten ihr René und Bruder Stepano, die von Lucas und Christobald flankiert wurden. Diese vier Männer waren ihre Ehrengarde, ihre persönlichen Vertrauten und engsten Mitarbeiter, die die Plätze eingenommen hatten, die sonst nur Familienangehörigen zustanden, um ihr Schutz und Halt zu geben. Hinter ihnen reihte sich Gruppe um Gruppe in den Trauerzug ein. Den Särgen und Urnen folgten die Familien und Freunde der Verstorbenen, den Kopf teilweise hinabgebeugt, um ihre Tränen vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Manche aber hatten das Gesicht auch hoch erhoben, blickten mit starren Augen wütend und trotzig in die Menge, in die Fernsehkameras, um zu zeigen, dass sie sich nicht brechen lassen würden. Einige trugen die Bilder ihrer Toten bei sich, andere hielten Kerzen in der Hand.
Die Regentin hatte nichts davon bei sich. Sie ging allein und still der Menge voraus, einen Schritt nach dem anderen rang sie sich ab und versuchte, nicht immer auf die Särge zu starren.
Leseprobe 2
Dann plötzlich sprang er mit einer Geschwindigkeit nach vorne, die seine vorherigen Bewegungen nie vermutet ließen, riss den jungen Polizisten zu sich heran, zerrte dessen Waffe aus dem Halfter und stieß den Mann wieder von sich, hinein in die Soldaten, die zu ihrer Regentin stürzen wollten.
Christobald riss Constance an den Schultern herum, drückte sie zu Boden und warf sich über sie, versuchte, sie mit seinem ganzen Körper zu decken.
Dann explodierte der Schuss.
Constance schrie leise auf, biss sich aber sofort auf die Lippen und presste die Hände auf die Ohren. Es stank nach Pulver, aber auch nach verbranntem Haar und Fleisch. Und langsam kam ein metallischer Geruch hinzu, der nur von menschlichem Blut stammen konnte.
Ein zweiter, noch entsetzterer Schrei stahl sich über Constance Lippen, als sie erkannte, dass Blut und Gehirn zum größten Teil Christobald, aber auch sie bedeckte. Sie warf sich gegen das schwere Gewicht ihres Bodyguards, das sie noch immer herunterdrückte, angstvoll, weil sie nicht wusste, ob er tödlich verletzt worden war. Doch da zog er sie schon mit einer Hand auf die Beine, während er mit der zweiten seine Waffe hervorriss. Mit sanfter Gewalt drängte er Constance gegen die Wand, flankiert von den drei Wachsoldaten, sodass sie nur Rücken und Uniformen sah.
Leseprobe 3
Die Anspannung pumpte Wellen von Adrenalin durch ihre Venen und ihr gesamter Körper war triefend nass. Ihr war kalt.
Mit der Präzision einer Kamera sah Constance ihre Hand mit der Waffe in ihr Blickfeld schwingen. Sie beobachtete ben Sharif, der sich noch nicht bewegt hatte, nicht begriffen hatte, was geschah, da noch keine Sekunde vergangen war.
Atmen, zielen, abdrücken.
Tausendmal hatten sie es auf dem Schießstand geübt, Christobald hatte ihr anfangs den Arm geführt, hatte sie komplett umschlossen mit seinem Körper und ihr gezeigt, wie man stehen, wie man zielen musste. Noch vor wenigen Stunden hatte sie bei der Reiterstaffel fünf gute Treffer gesetzt.
Atmen, zielen, abdrücken.
Ihr Zeigefinger krümmte sich, ohne dass ihr Bewusstsein aktiv daran beteiligt gewesen wäre. Wie automatisch liefen ihre Bewegungen ab, ihr Körper wusste einfach, wann der richtige Moment war. Der erste Schuss explodierte, beinahe überraschend laut und nur übertönt von den schlagenden Rotoren der Helikopter, die über ihnen kreisten. Das Projektil flog noch, als Constance schon die nächsten drei Schüsse hinterher setzte. Und sie sah den Treffer. Ein kleines rotes Loch erschien auf ben Sharifs Stirn, etwas über der linken Augenbraue, nur so klein wie eine Heftzwecke. Ein zweites Loch kam dazu, etwas weiter davon entfernt, aber immer noch auf Stirnhöhe. Erstaunen lag nun im Blick des Attentäters, doch es konnte nicht mit den Schüssen zusammenhängen, die ihn getroffen hatten. Die hatte sein Körper noch gar nicht registriert. Es musste noch an der Tatsache liegen, dass die Königin tatsächlich eine Waffe bei sich führte und diese auch benutzte.
Dann explodierte sein Kopf.