Regionalkrimi rund um den Drachenfels im Rheinland

Klappentext:

Durch Untersuchungen im Kölner Dom geraten drei Archäologen in eine seit Jahrhunderten andauernde Mordserie mit über hundert Todesopfern. Als Berater für die Polizei bemühen sie sich um Aufklärung der Ereignisse, doch sie stoßen überall nur auf Schweigen. 

Allein die junge Verkäuferin Sara, die im Rollstuhl sitzt, seit auch sie den Tod finden sollte, ist bereit, ihnen zu helfen. Als ein neues Opfer entführt wird, werden die Ermittlungen zu einem Wettlauf mit der Zeit. 

Kurz vor dem nächsten Mord dringt die Polizei zusammen mit den Archäologen in das Höhlensystem unter dem Berg Drachenfels vor, in dem Versuch, das jüngste Opfer zu retten und die Täter für immer aufzuhalten.



Leseprobe 1

Juni 2017

Seine Augen tasteten durch den im Zwielicht liegenden Raum. Blieben an dem Gitter hängen, das die Welt da draußen forthalten sollte. Es ging auf das Konto des Toten selbst, dass er in dieser verrammelten Gruft auf die ewige Erweckung wartete. 

Ein Schauer lief ihm über den Rücken, was ein ganz seltsames Gefühl war, stand er doch wie in einer halben Verbeugung eingefroren bewegungslos nach vorne geneigt. So etwas passierte ihm immer, wenn er sich die Knochen seiner Objekte anschaute. Erregung konnte er fühlen. Sein Körper bebte und die Haare auf seinen kräftigen Armen stellten sich auf. Es war inzwischen seine 38. Leiche. Bei der ersten hatte er sich noch gegraust, vor dem toten Körper, der Gewalt, die ihn aus dem Leben gerissen hatte, auch vor sich selbst. Das aber war schnell vergangen. Inzwischen fieberte er jedem weiteren Toten entgegen, konnte es kaum abwarten, bis er wieder loslegen konnte. 

Sobald es wieder so weit war, legte er Jeans, Hemd und Sakko ab und griff zum Overall, damit er sich richtig schmutzig machen konnte. Wenn er seine Drahtgestellbrille vorsichtig in ein stoßfestes Etui verstaute und nach seinem Werkzeug griff, kam es ihm so vor, als schlüpfe er in ein zweites Leben. Er wusste, dass ihm Haarsträhnen schweißnass ins Gesicht hingen und dass die Gier, dieses Fieber, seinem Gesicht deutlich abzulesen war. Er konnte es nicht unterdrücken. 

 

 

 

 

 



Leseprobe 2

„Sag mal, ist euer Professor ein bisschen Asperger?“, fragte Sara, die sich mit ihrem Oberkörper so weit es ging umgedreht hatte, um auch zu Alphen schauen zu können.

„Er ist manchmal ein bisschen wunderlich, aber doch kein Autist!“, entfuhrt es Andreas empört. „Das ist seine Art zu denken.“

„Entschuldigung. Ich meine ja nur, weil er mit sich selbst redet.“

Korla stutzte und schaute sich den Professor noch einmal genauer an. In der Tat, er kaute nicht an seiner Lippe, er bewegte die Lippen! Tonlos redete er und er schien es gar nicht zu bemerken. 

„Er ist eben in Trance. Raimund hat die Fähigkeit, sich in historische Situationen zu versetzen und sie zu begreifen. Als würde er mit seinem Bewusstsein in der Zeit reisen. Da kann es schon mal sein, dass er redet.“

Andreas beneidete seinen Freund um diese Kunst, sich so vollkommen auf einen Gedanken einzulassen, dass er ihn tatsächlich erlebte. Aber diesmal schien er wirklich beängstigend weit weg zu sein. Seine Füße bewegten sich zwar, aber seine Augen sahen nicht.

Mit einer Schulter lehnte sich Andreas in den Türrahmen und schaute den Professor besorgt an, dessen Flüstern langsam hörbar wurde.

„Ich fürchte um mein Leben“, hauchte er, als er an Korla vorbeiging und zur nächsten Runde um den Tisch ansetzte. „Ich fürchte um mein Leben. Fürchte um mein Leben.“

„Raimund?“

„Ich fürchte um mein Leben.“

Andreas warf einen Blick zu Jerara, der dessen Unsicherheit sah und sich von der Couch erhob. Auch die beiden Polizisten kamen nun dazu, bereit einzugreifen. Aber eine Gefahr war nicht zu erkennen. Als die Männer nebeneinander in der Türe standen, konnten sie es deutlich hören.

„Fürchte um … um mein Leben. Ich fürchte um mein Leben.“

„Raimund!“ Andreas´ Stimme war nicht laut, dafür aber umso eindringlicher. „Raimund, was ist los?“

Aber der Professor reagierte nicht. Noch immer lief er meditativ im Kreis und hatte sich seiner Umwelt vollkommen verschlossen. 

„Ray!“

Der Anflug von Panik in Korlas Ruf war nun nicht mehr zu überhören, doch er tat seine Wirkung. Der Professor fuhr zusammen, als schrecke er aus einem Traum hoch, schüttelte den Kopf und sah sich dann um. Es war offensichtlich, dass ihm nicht klar war, wie er in ein Hotelzimmer gekommen war. Erstaunt schaute er seine Kollegen und die Polizisten an und dann auf das Buch, dass er die ganze Zeit in der Hand gehalten hatte. 



Leseprobe 3

Rechts und links des Gesteinsdurchbruchs, der vom Ritualplatz zum rückwärtigen Pfad führte, türmten sich übermannsgroße Lavaformationen auf. Erkaltet und scharfzackig warfen sie unwirkliche Schatten, denn der Schein von zahlreichen Pechfackeln aus der Höhle fiel auf sie.

In der Dunkelheit, verborgen hinter dem Fels, hockte das SEK. Die Wissenschaftler waren weiter zurückgeblieben, doch auch sie hatten einen guten Blick auf das Geschehen in der Höhle. Was Uwe vor kurzem noch als meditativ bezeichnet hatte, war inzwischen zu einer wilden Orgie geworden. Männer und Frauen stampften in einem wirbelnden, tobenden Tanz um den Altar herum, auf dessen Platte eine geknebelte und gefesselte Frau lag. Am Kopf des Altars stand ein einzelner Mann, langgewachsen, aber schmal, beinahe hager. Es ließ ihn krank aussehen. Der Fackelschein, der ihm immer wieder schwarze Schatten über das Gesicht jagte, tat seinen Teil dazu. Der Mann überragte alle anderen, als würde er auf einem kleinen Podest stehen. Mit geschlossenen Augen wiegte er sich in einem Takt, den nur er hören konnte. [...]

Hier und da brachen Tänzer einzeln oder in Gruppen aus den Reihen ihrer Gemeinschaft aus, um sich in den Blutsee zu stürzen, unterzutauchen wie bei einer groben, ins Absurde verdrehten Art der Taufe. Teilweise verschlangen sich ihre Körper unter Wasser ineinander und Markus ahnte, was dort vor sich ging. Eine gegenseitige Huldigung der Physis in ihrer natürlichsten Weise. Nur Augenblicke danach nahmen die Jünger dann wieder ihren Platz in dem Reigen ein, tropfnass, mit Kleidern, die ihnen am Körper klebten. Doch nicht alle waren so agil. Es gab Tänzer unter ihnen, die offensichtlich Schmerzen litten und sich nur mühsam bewegen konnten. Es mussten diejenigen sein, bei denen die Bäder im Blutsee schon Schänden hinterlassen hatten. 

„Wie kann er wissen, dass sie noch lebt?“, flüsterte Raimund, der verzweifelt zu erkennen versuchte, ob die Frau auf dem Altar noch atmete. 

„Weil da kein Blut zu sehen ist?“, meinte Jerara und bewies einmal mehr, dass er einen analytischen Verstand besaß, der auch in Augenblicken größter Anspannung noch arbeitete. 

„Ich werde zu alt für so einen Mist“, grummelte Alphen, doch Andreas nickte ihm aufmunternd zu.

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