
Eric ist zurück!
Klappentext:
Durch einen Todesfall in seinem Kieswerk gerät ein Unternehmenstycoon mit Doppelleben in eine brutale Mordserie. Gemeinsam mit der Geheimgesellschaft „Das Konsortium“, die sich der internationalen Friedenssicherung verschrieben hat und als deren Agent der Unternehmer tätig ist, kommt er medizinischen Experimenten auf die Spur, die unter Missachtung von Ethik und Menschenrechten an Schutzlosen in ganz Europa durchgeführt wurden.
Leseprobe 1
Der Schrei hallte über den Strand, doch in meinen Ohren klang er nicht nach. Ich spürte, wie ich schrie, anschrie gegen die Wellen, gegen den rasenden Sturm. Gegen die Wut. Und die Verzweiflung. Bis mein Hals wund war und meine Stimme erstarb.
Meine Beine sackten unter mir weg, und ich fiel mit den Knien in den kalten, feuchten Sand, die Pistole noch immer in der Faust, noch immer ausgestreckt und gestützt von der anderen Hand. Mein Körper war zum Bersten gespannt. Doch ich drückte nicht mehr ab.
Der Scheiterhaufen vor mir brannte lichterloh. Gegen die hellen Flammen konnte ich die Silhouetten meiner beiden Kollegen ausmachen, die sich in der züngelnden Hölle nur noch spärlich bewegten, bis sie schließlich in der Gluthitze gänzlich untergingen.
Anstatt wenigstens einen zu retten, hatte ich sie beide verloren.
Leseprobe 2
Ich stand auf, um Böttcher zu begrüßen. Auch er streckte mir die Hand entgegen.
„Hallo, Eric. Gute Nacht, Eric.“
Ich war verwundert, über seine Worte genauso wie über den auf einmal deutlich kühleren, beinahe abweisenden Tonfall. Dann spürte ich ein Brennen, das sich meinen rechten Arm hinauffraß. Bei der Begrüßung hatte Kurt auch seine linke Hand ausgestreckt. Sie schwebte noch immer Zentimeter vor meinem Unterarm und ich erkannte eine Spritze zwischen seinen Fingern.
Ich wusste nicht, was er mir injiziert hatte, aber das Mittel pumpte rasch durch meine Adern in den ganzen Körper. Das Brennen breitete sich aus, erfasste meine Brust, erschwerte mir das Atmen. Ich spürte, wie meine Gliedmaßen taub wurden. Bevor ich zusammenbrechen und auf den Boden aufschlagen konnte, hatte mich Böttcher gepackt und mich langsam in eine liegende Position gleiten lassen. Behutsam, beinahe mit einem Ausdruck des Bedauerns auf seinem Gesicht.
Vor meinen Augen begann sich der Raum zu drehen, aber nur wenige Momente. Während mein Körper immer weiter erschlaffte, wusste ich, dass ich nur noch eins tun konnte: Mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte, sog ich mühsam Luft in meine Lungen und atmete wieder aus. Es war unglaublich schmerzhaft. Ich fühlte, dass der Sauerstoff wie ein brennender Balken durch meinen Hals schoss und mich innerlich wund riss. Aber gelang. Das Einzige, was ich steuern und aufrechterhalten konnte. Meine Atmung. Alles andere hatte mir Böttcher durch den Stich mit der Nadel genommen.
Leseprobe 3
Von dem Mann, dessen Bild ich auf dem PC im Besprechungsraum gesehen hatte, war nicht mehr viel geblieben. Der modisch-kühne Dreitagebart war jetzt ein ungepflegtes Gewucher, das Gesicht war nicht mehr schmal, sondern ausgezehrt, die Wangen eingefallen, die Haut wächsern. Er hatte eine kaum verheilte Wunde über der rechten Augenbraue und sein Schädel war teilweise kahlrasiert, sodass seine Verletzung nicht zu übersehen war. Aber am meisten erschütterte mich sein Blick. Wo auf dem Foto noch eine wachsame Intelligenz zu erkennen gewesen war, war jetzt nur Leere. Seine Augen, die tief in die Höhlen gesunken waren, wirkten selbst in dem schwindenden Licht stumpf und entrückt. So als würde er die Welt um sich herum gar nicht wahrnehmen. Wie hinter einer Wand, die undurchdringlich war und die ihn von den Menschen trennte.
Wie hypnotisiert starrten seine beinahe toten Augen auf meine Waffe, die ich jetzt locker neben meinem Bein hielt. Offensichtlich war ihm klar, dass auf ihn geschossen worden war und woher der Angriff kam. Er schien ihn aber nicht in Verbindung mit mir zu bringen, sondern hielt den Blick argwöhnisch auf die Pistole gerichtet, als wäre es die Flöte eines Schlangenbeschwörers.